Zum 80. Todestag von Dietrich Bonhoeffer - Erinnerung an einen Aufrechten: Stiftungsdirektor Freller mahnt Bonhoeffers Vermächtnis an

MÜNCHEN, 04. April 2025 – Am 09. April 1945 wurde der Widerstandskämpfer und evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg ermordet, nachdem er in einem Scheinprozess tags zuvor von einem Standgericht zum Tode verurteilt worden war. Bonhoeffer, der sein Leben im Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime verlor, gilt heute als einer der bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Theologen des 20. Jahrhunderts.

Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, würdigt zum 80. Todestag sein Wirken: „Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Engagement gegen Ausgrenzung und Antisemitismus - Dietrich Bonhoeffer sprach vor über 80 Jahren Themen an, die heute wieder sehr aktuell sind. In einer Zeit, in der Extremismus und Intoleranz wieder zunehmen, ist es wichtig, Bonhoeffers Botschaften der Nächstenliebe und der Verantwortung für die Gesellschaft stärker in Erinnerung zu rufen.“ Dietrich Bonhoeffer war ein Mann des Glaubens, der sich mutig der Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus widersetzte. Sein Einsatz für die Menschenwürde, für Gerechtigkeit und Frieden sind zentrale Elemente seines theologischen Denkens. „Er hat Haltung gezeigt und Zivilcourage bewiesen ohne Rücksicht darauf, dass er dafür sein Leben lassen musste“, so Karl Freller - und weiter: „Das Gedenkjahr 2025 bietet die Chance, das Erbe Bonhoeffers aktuell zu reflektieren und seine Botschaft der Nächstenliebe und des Widerstands gegen Ungerechtigkeit in die Gegenwart zu übersetzen. Sie fordert uns auf, die komplexen Facetten seiner Überzeugungen zu betrachten und zu hinterfragen, wie sie in der heutigen Zeit interpretiert und genutzt werden können.“

Die Kinopremiere einer sehr kontrovers diskutierten Bonhoeffer-Biografie (Kinostart November 2024 in den USA; März 2025 in Deutschland) hat zum Gedenkjahr dem Theologen zusätzliche Aufmerksamkeit zukommen lassen; eine Instrumentalisierung des großen Widerstandskämpfers und Theologen für die politischen Ziele von Interessensgruppen stieß nicht nur bei seinen Nachfahren auf massive öffentlich geäußerte Kritik.

Zur Person Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffer wurde 1906 in Breslau geboren. 1927 beendete er das Studium der Evangelischen Theologie mit der Promotion. Bonhoeffer absolvierte sein Vikariat in Barcelona, verbrachte ein Studienjahr in New York und war bis 1933 als Privatdozent und Studentenpfarrer in Berlin tätig. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zeigte sich Bonhoeffer als entschiedener Gegner des Regimes. Er engagierte sich in der ‚Bekennenden Kirche‘, die er mitbegründete. Bonhoeffer gehörte auch zu der Gruppe, die den Anschlag auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 vorbereitete. Im April 1943 wurde er verhaftet und am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg erhängt. Tags zuvor war er in einem Scheinprozess zum Tode verurteilt worden.

Mit dem Gedenken an den von den Nazis ermordeten Pastor ist die heutige KZ-Gedenkstätte Flossenbürg einer der wesentlichen evangelischen Erinnerungsorte in Deutschland - mit einem besonderen Fokus auf der Jugendarbeit. Die Gedenkstätte erinnert vor Ort und auf ihren Internetseiten, an Bonhoeffer. Noch mehr über Leben, Wirken und Lehre dieses bedeutenden Mannes, der bis heute für viele ein Vorbild ist, hat die KZ-Gedenkstätte in Zusammenarbeit mit der ‚Initiative Bonhoeffer‘ auf www.bonhoeffer-initiative.com zusammengestellt.

Das Todesurteil gegen Bonhoeffer und andere Widerstandskämpfer blieb bis in die 1990er Jahre rechtsgültig, so dass er offiziell nicht als Verfolgter des Naziregimes anerkannt wurde. Erst 1996 wurden die NS-Unrechtsurteile aufgehoben und damit auch Bonhoeffer formell rehabilitiert.

Bonhoeffer-Gedenkjahr 2025

2025 wird auf vielfältige Weise an den großen Theologen erinnert: so fanden und finden zahlreiche Veranstaltungen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern statt; sie wurden unter dem Motto „#grenzenloshoffen" zusammengefasst. Neben einem Gedenkgottesdienst mit dem bayerischen Landesbischof Christian Kopp, der live im BR übertragen wird, finden zwei große Jugendbegegnungen in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg statt, die das Vermächtnis Bonhoeffers und die internationale Solidarität feiern.